Ursachen · Wohnungsmarkt

Wohnraummangel: Zu wenig gebaut, zu viele Suchende

Während die Baugenehmigungen wieder steigen, ist die Zahl fertiggestellter Wohnungen 2025 erneut eingebrochen. Die Folgen spüren vor allem Menschen, die neu suchen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 in Deutschland rund 206.000 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent oder 45.400 Wohnungen weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig stieg die Zahl der Baugenehmigungen um 10,6 Prozent auf 238.100. Der Trend setzte sich 2026 fort: Im ersten Halbjahr wurden 126.300 Wohnungen genehmigt, 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Genehmigt ist aber nicht gebaut. Bis aus einer Genehmigung bezugsfertiger Wohnraum wird, vergehen oft zwei Jahre oder mehr. Eine spürbare Entlastung des Marktes ist daher frühestens mittelfristig zu erwarten.

Wohnungsbau in Deutschland: Fertigstellungen und Genehmigungen
251.400Fertiggestellt 2024206.000Fertiggestellt 2025238.100Genehmigt 2025

Quelle: Destatis, Bautätigkeitsstatistik (Mai 2026)

Angebotsmieten: Wer neu sucht, zahlt mehr

Die Knappheit zeigt sich vor allem bei den Angebotsmieten, also den Preisen in Inseraten für neu zu vermietende Wohnungen. Laut dem GREIX-Mietpreisindex des Kiel Instituts für Weltwirtschaft stiegen sie im dritten Quartal 2026 im Durchschnitt von 37 Städten und Regionen um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr; der gewichtete Durchschnitt lag bei 14,60 Euro je Quadratmeter. Hamburg verzeichnete unter den acht größten Städten mit 6,7 Prozent den stärksten Anstieg.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet ist die Entwicklung noch deutlicher: Nach Daten, die das Bundesbauministerium auf eine parlamentarische Anfrage vorgelegt hat, sind die Angebotsmieten in den 14 größten Städten binnen zehn Jahren um durchschnittlich 43 Prozent gestiegen.

Angebotsmieten in ausgewählten Großstädten, 3. Quartal 2026 (Euro je m², nettokalt)
München24,00 €Köln16,00 €Berlin15,80 €Düsseldorf15,10 €Ø 37 Städte/Regionen14,60 €Leipzig10,40 €Chemnitz6,30 €

Quelle: GREIX-Mietpreisindex, Kiel Institut für Weltwirtschaft (Oktober 2026) · München: knapp 24 €/m².

Warum junge Menschen besonders betroffen sind

Wer seit vielen Jahren in derselben Wohnung lebt, zahlt meist eine Bestandsmiete, die deutlich unter dem aktuellen Angebotsniveau liegt. Junge Menschen dagegen ziehen häufiger um – zum Studium, zur Ausbildung, für den ersten Job oder bei der Familiengründung – und müssen jedes Mal zu Marktpreisen neu anmieten.

Hinzu kommt: Das Angebot ist vielerorts drastisch geschrumpft. Laut IW Köln ist die Zahl der Mietinserate in Hamburg seit 2022 um 57 Prozent zurückgegangen, in Frankfurt am Main um 43 und in Leipzig um 40 Prozent. Wer wenig Einkommen, keine lange Bonitätshistorie und keinen unbefristeten Arbeitsvertrag vorweisen kann, hat in diesem Wettbewerb oft schlechte Karten.

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